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Wut gegen Elend (V)

Mittwoch, 11. August 2010 von caissa

Der DSB veröffentlichte auf seiner Homepage eine „finale Stellungnahme“, die immerhin eins enthält: ein klares Bekenntnis zum Leistungssport. Dennoch können weder die Spieler, noch Außenstehende zufrieden sein. Dialog klingt anders. Derzeit sieht es so aus, als würden nur Scherben übrig bleiben, keine Lösungen.

Allein schon die Formulierung „finale Stellungnahme“ klingt nicht nur unangenehm, sondern signalisiert nicht gerade Diskussionsbereitschaft, auch wenn es darin heißt, das Präsidium stelle sich einer inhaltlichen Diskussion. Da die Spieler nun schon mehrfach den Wunsch nach Gesprächen geäußert haben, wäre hier nun der Schachbund am Zug.

Immerhin: Die Süddeutsche Zeitung zitierte Robert von Weizsäcker dahingehend, dass er für die Schacholympiade 2012 in Istanbul eine Brücke zu den Boykotteuren bauen wolle. Der Ort hat eine tolle Symbolik, holte Deutschland dort doch 2000 Silber. Allerdings wäre eine Brücke genau jetzt wünschenswert und nicht etwa erst in zwei Jahren. Selbst die – unter den gegebenen Umständen ohnehin aussichtlose – ECU-Kandidatur hat dahinter zurückzustehen.

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Wut gegen Elend (IV)

Montag, 09. August 2010 von caissa

Während die Funktionäre wacker schwiegen oder Aussagen zu sachfremden Themen bevorzugten, schienen die Nationalspieler nun nicht mehr an sich halten zu können. In Schach 8/2010 äußerten sich drei Nationalspieler. Georg Meier gab hier und da Kommentare in Foren und Blogs ab, und Arkadij Naiditsch legte so richtig nach.

Um Kopf und Kragen

Die Spieler hingegen entschieden sich, fast zwei Monate nach dem „Bettelbrief“ nachzulegen. In der Schach 8/2010 beschrieben Arkadij Naiditsch, Georg Meier und vor allem Jan Gustafsson ihre Sicht der Dinge. Letzterer bemühte sich nun zu erklären, dass es ja im Grunde gar nicht so sehr ums Geld gegangen sei und sagte, die Summe von 20.000 € sei „bewusst ein wenig hoch angesetzt“ gewesen, „zur Aufstockung der Honorare wären nicht mehr als 10.000 € nötig gewesen.“ Obwohl Gustafsson die Differenz in einem Nebensatz begründet, erhöht dieses Eingeständnis nicht gerade die Glaubwürdigkeit der Nationalspieler, vor allem wenn es um das unisono vorgetragene Gefühl geht, so liebend gern für Deutschland zu spielen.

Jan Gustafsson bemühte sich redlich, die Entwicklung hin zur Eskalation zu beschreiben und die von den Nationalspielern unternommenen Schritte nachvollziehbar zu machen. Auch die Schwierigkeiten in der Kommunikation mit von Weizsäcker und Deventer wurden klarer. Jedoch schien es einfach zu spät zu sein, die öffentliche Meinung noch in eine andere Richtung zu lenken.

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Wut gegen Elend (III)

Montag, 09. August 2010 von caissa

Nachdem dem ernüchternden postolympischen Kassensturz folgte die zweite Ernüchterung, als auch dem eifrigsten Verdränger klar wurde, dass es keine signifikante Verbesserung im Sponsoring gab. Den Nationalspielern muss schlagartig klar geworden sein, dass man sich von Verständnis nicht ernähren kann. Hätte der nun folgende Aktionismus auf einem Schachbrett stattgefunden, wäre ein Kommentator mit den Fragezeichen kaum nachgekommen.

Mit von Weizsäckers Schreiben vom 19. Mai kam das böse Erwachen für die Spieler. Die mussten nun feststellen, dass sie vielleicht allzu naiv darauf vertraut hatten, dass das so oft geäußerte Verständnis des Präsidenten auch für die Spitzenspieler zusätzliches Geld einbringen könnte. Die finanzielle Situation des Schachbundes hatten die Spieler wohl ausgeblendet. Das gleiche gilt wohl für die rechtliche Lage, dass nämlich etwaige Honorare nicht durch den Schachbund gezahlt werden dürfen. Stattdessen ist jene Schachbund Wirtschaftsdienst GmbH für die Honorare zuständig, die in den letzten Jahren mehr mit internen Querelen als mit Einnahmen in Verbindung gebracht wurde.

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Wut gegen Elend (II)

Montag, 09. August 2010 von caissa

Die Auseinandersetzung zwischen den Nationalspielern um Jan Gustafsson auf der einen und dem DSB auf der anderen Seite hat eine lange Vorgeschichte. Sowohl Funktionäre als auch Spieler scheinen an Heilsbringer geglaubt zu haben, die die Hoffnungen nicht erfüllen konnten.

Heilsbringer Dresden 2008

In der Amtszeit des von vielen als eher glücklos empfundenen Alfred Schlya, der von 2001 bis 2007 Präsident des Deutschen Schachbundes (DSB) war, wurde die Schacholympiade nach Dresden geholt, womit – so Hans-Jürgen Weyer in seiner Laudatio auf Schlya im Jahr 2007 – eine Stärkung des Leistungssport einher gegangen sei. Gestärkt wurden aber zunächst einmal die Einnahmen des DSB, der die Mitgliedsbeiträge im Jahr nach der Olympiavergabe erhöhte. Nicht zuletzt dadurch stieg der DSB-Umsatz 2005 um 12%, die Kosten allerdings gleichzeitig um 24%. Die Kosten für Personal und ehrenamtliche Tätigkeiten schnellten in die Höhe, vor allem aber schlug Olympia schwer zu Buche. Obwohl der DSB eigentlich finanziell nicht involviert war, pumpte er binnen fünf Jahren mehr als 400.000 € direkt in die Schacholympiade von Dresden. Um diese Investition zu amortisieren, hätte der DSB fünf Jahre lang 10.000 neue erwachsene Mitglieder gebraucht. Statt des erhofften Schachbooms stagnierte die Mitgliederzahl zunächst, um dann weiter zurück zu gehen – für den Breitensport blieb nach Olympia nur der erhöhte Mitgliedsbeitrag.

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Wut gegen Elend

Sonntag, 08. August 2010 von caissa

Scheinbar plötzlich entfachte ein heftiger Streit zwischen Nationalmannschaft und Schachbund. Seit dem Ausbruch reden sich Nationalspieler und schweigt sich der Verband um Kopf und Kragen. Nur eines dürfte jetzt schon wirklich sicher sein: Geldbeschaffung für das Schach in Deutschland dürfte nach dieser PR-Katastrophe noch schwieriger geworden sein.

Das nun ausgebrochene Feuer schwelte offenbar schon, als Arkadij Naiditsch und Daniel Fridman noch nicht einmal deutsche Pässe hatten. Als zur Jahrtausendwende Deutschland sensationell bei der Schacholympiade Silber gewann, waren die Honorare der Nationalspieler bereits seit zehn Jahren nicht angehoben worden, berichtete GM Jörg Hickl, selbst zwischen 1986 und 2002 mehrfacher Olympiateilnehmer, in seiner SchachWelt. Doch damit nicht genug: Bei der Euro-Umstellung seien demnach die Bezüge sogar noch gesenkt worden. (weiterlesen…)

Offene Briefe statt offene Spiele

Donnerstag, 22. Juli 2010 von caissa

Offene Briefe gehören seit jeher genauso zum Repertoire von Schachspielern wie offene Spiele. In diesem heißen Sommer scheint es besonders beliebt zu sein, sein Mütchen mit einem offenen Brief zu kühlen. Den Auftakt machte Neu-Profi Jan Gustafsson mit einem Appell, ihm und seinen drei Kollegen Naiditsch, Meier und Fridman doch bitte 20.000 € zu spenden, um eine nicht näher definierte Vorbereitung zu finanzieren.

Nicht ganz unerwartet führte dieser Appell nicht zur ersehnten Spende und völlig erwartungsgemäß verkündeten die vier Topspieler ihren Verzicht auf die Schacholympiade. Im heute veröffentlichten Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Online wird Gustafsson dahin gehend zitiert, dass er immer gerne für sein Land gespielt habe, es ginge hier aber um die Förderung der Spitzenspieler ingesamt – kurz gesagt, ums Prinzip.

Der Deutsche Schachbund reagierte auf die Absage der Spieler mit der Nominierung einer Nachwuchsmannschaft plus Rainer Buhmann. Nun sind Presseerklärungen wie die zur Nominierung durchaus immer offene Briefe, doch konnte man nicht widerstehen, in diesem Zusammenhang auch gleich darauf zu verweisen, die Kadermitgliedschaft – und damit die Förderung – der vier Spieler würde zunächst ruhen.

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