Magnus Carlsen ist in aller Munde, selbst außerhalb der Schachwelt. Als jüngster Spieler aller Zeiten erklomm er die Spitze der Weltrangliste – Grund genug, um ihm einen eigenen Jahresrückblick zu widmen. Doch nicht nur Carlsen ist einer der Gewinner des Jahres.
Im Carlsen-Hype geht Wladimir Kramnik ganz zu unrecht ein wenig unter. Nach der Geburt seiner Tochter Ende 2008 nahm sich Kramnik zunächst einmal eine Auszeit, die er aber wohl nicht ausschließlich seiner Familie widmete. Erst im zweiten Halbjahr kehrte Kramnik in die Arena zurück. Sein insgesamt neunter Sieg in Dortmund überraschte kaum, auch, dass er dabei ungeschlagen blieb nicht. Die Dortmunder Schachtage kommen dem Russen und seinem remisträchtigen Spiel eben sehr entgegen. Doch weit gefehlt: Kramnik überraschte die Schachwelt in diesem Jahr mit für ihn ungewohnt offensivem Spiel selbst mit schwarzen Steinen. (weiterlesen…)
Vor knapp drei Wochen wurde Magnus Carlsen 19 Jahre alt, in knapp zwei Wochen wird er als die Jüngste Nummer Eins aller Zeiten die Weltrangliste anführen. Nur Topalow und Carlsens neuer Trainer Kasparow erzielten je ein höheres Rating.
Darüber, ob Magnus Carlsen seinen Vornamen in Anlehnung an Carolus Magnus, also Karl, den Großen, bekam, darf man trefflich streiten, wenn man mag. Unstrittig ist dagegen schon lange, dass es sich um das vielleicht größte Schachtalent aller Zeiten handelt. Schon 2004, nach seinem grandiosen Sieg beim C-Turnier in Wijk aan Zee, bezeichnete ihn Altmeister Lubomir Kavalek als “Mozart des Schachs”.
Mit 13 war er Großmeister, mit 15 knackte er die 2600er-Elo und gelangte in die Top 100 der Welt. Mit 16 wurde er Super-GM und schaffte fast schon den Sprung zur WM 2007, scheiterte aber im Stechen an Lewon Aronjan. Mit 17 gewann er seine ersten Topturniere und stürmte in die Top Ten, in der er nun seit April 2008 geführt wird.
Dass die Grand-Prix-Serie unter keinem guten Stern steht, hat inzwischen auch das Presdidential Board der Fide erkannt. 2010 und 2011 soll der Grand Prix nur dann stattfinden, wenn die Verträge mit allen Organisatoren bis Oktober 2009 unter Dach und Fach sind. Angesichts dessen, dass sogar noch der Ausrichter für das letzte Turnier dieser Serie fehlt, dürfte der Grand Prix schon jetzt Geschichte sein. Offen ließ das Gremium jedoch, welche alternative Qualifikation für die WM gespielt werden soll.
Die umstrittene geplante Änderung des K-Faktors zur Berechnung der Elo soll nach Meinung des Presditential Boards zunächst noch einmal geprüft werden, bevor sie durchgeführt wird. In der Tat war die Änderung sehr plötzlich und offenbar ohne Konsultation von Experten angekündigt worden. Zuletzt war die Rede davon, zunächst zwei Elo-Listen parallel – eine mit altem, eine mit neuem K-Faktor – zu pflegen. Nun besteht wieder die Hoffnung, dass die Änderungen, die zu einem noch wertloseren Rating führen würden, unter den Tisch fallen.
Zunächst nicht mehr als eine Randnotiz, schlägt Iwantschuks verweigerte Urinprobe nach der letzten Olympia nun doch erste Wellen. Die FAZ berichtet, Iwantschuk sei gar vor der Kontrolle “geflüchtet”. Nun steht die Fide vor dem Scheideweg: Gras wachsen oder zum dummen Ochsen machen lassen?
Stein des Anstoßes war die Nachbereitung des Matches Ukraine gegen USA, bei der Mitfavorit Ukraine um Wassyl Iwantschuk seine Medaillenchancen schmählich verspielte. Iwantschuk wurde zur Dopingprobe geladen, nahm diese aber nicht wahr. Ob bewusste Flucht oder Tüddeligkeit – eine Verweigerung kommt formal einer positiven Probe gleich. Demnach drohen dem Weltklassespieler nun zwei Jahre Doping-Sperre.
Eignete sich das Thema Doping und Schach bisher nur als akademisches Thema, dürfte es nun im Bewusstsein der Schachfreunde ankommen. Die Medien, bei denen Schach derzeit en vogue ist, werden den „Kampf gegen das Doping“ (Kritischer Bericht gleich neben der Schlagzeile „Unser Erik fährt in Grün“) nun wohl auf das Schach ausdehnen. Die von vielen Schachspielern oft gestellte Frage, wie um alles in der Welt man beim Schach dopen kann, dürfte eine mediale Antwort erhalten. Jeder Leser dürfte bald in der Lage sein, erste Experimente durchzuführen. (weiterlesen…)
Gut zwei Wochen lang hat das Fernsehvolk nun die Olympischen Spiele in Peking verfolgt, vermutlich auch jene, die noch vor Monaten einen Boykott der Spiele verlangten, um ihre Solidarität mit den Tibetern zum demonstrieren. Doch kehren wir vor unserer eigenen Tür und erfreuen uns an „unserem“ mehrminütigen Auftritt im ZDF-Fernsehgarten. Dabei sein ist eben alles, und wenn schon nicht bei Olympia, dann wenigstens beim Trash-TV. (weiterlesen…)
Alle Quartale wieder veröffentlicht die Fide die aktuelle Elo-Rangliste. Die Wahrscheinlichkeit, dass korrekte Listen veröffentlicht werden, dürfte wohl geringer sein als eine gleichzeitige Mond- und Sonnenfinsternis. Aus IT-Sicht erscheint es ohnehin schon fragwürdig, dass die Fide zwei Wochen vor dem Stichtag keine Wertungen mehr berücksichtigt. So findet sich daher Youngster Carlsen auf Platz 6 statt auf Platz 2, da Foros zu spät stattfand.
Man könnte glauben, diese Zeit würde genutzt, um korrekte Daten zusammenzustellen. Das ist leider mitnichten der Fall. Ruft man z.B. die aktuelle deutsche Rangliste auf, wird man mit den Ratings aus April konfrotiert.
Was ist peinlicher? Dass die Fide nicht in der Lage ist, Datenbanken zu betreiben? Oder dass Seiten wie ChessBase ohne Verifikation die April-Daten veröffentlichen und Daniel Fridman weiter als deutsche Nummer 1 zelebrieren? Solange man sich Gedanken über solche Basics machen muss, braucht man sich über Professionalität und bessere Vermarktung des Schachs wohl keine Gedanken machen.
Also, bitte, erbarme sich ein IT-Experte, der Fide die Grundzüge von Datenbanken und ein Journalist, Chessbase die Grundzüge ihres (vermeintlichen) Metiers beizubringen!