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Durchsichtig statt transparent

Sonntag, 01. August 2010 von caissa

Will man Fide-Präsident Iljumschinow glauben, gehört dieser Verband zu den transparentesten Organisationen dieser Welt. Vielleicht meinte er damit, dass manches Manöver arg durchsichtig ist. Im Wahljahr 2010 geht allerorten mal wieder alles drunter und drüber.

Karwane zieht nach Kasan

Im offiziellen Kalender der Fide ist die aserische Hauptstadt Baku weiterhin als Austragungsort des Kandidatenturniers 2011 aufgeführt. Kürzlich wurde mit Shakhriyar Mamedyarov auch die Nominierung des Veranstalters verkündet. Schon das erste Turnier der Grand-Prix-Serie war in Baku ausgetragen worden. Die Serie gewann der Armenier Lewon Aronjan, der damit zumindest theoretisch gegen den Sieger des World Cups, Boris Gelfand, um die WM-Kandidatur hätte spielen sollen.

Doch wie man weiß, änderte die Fide mitten im Zyklus dessen Regeln. Da Aronjan ein Antreten im Feindesland nicht zugemutet werden sollte, suchte die Fide von Anfang an einen Co-Veranstalter für Baku. Co-Veranstalter sind bei der Fide sehr beliebt, da sie die 20% „Schutzgeld“ an den Verband zahlen, ohne dafür Spieler nominieren oder ähnliche Privilegien genießen zu dürfen.

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Offene Briefe statt offene Spiele

Donnerstag, 22. Juli 2010 von caissa

Offene Briefe gehören seit jeher genauso zum Repertoire von Schachspielern wie offene Spiele. In diesem heißen Sommer scheint es besonders beliebt zu sein, sein Mütchen mit einem offenen Brief zu kühlen. Den Auftakt machte Neu-Profi Jan Gustafsson mit einem Appell, ihm und seinen drei Kollegen Naiditsch, Meier und Fridman doch bitte 20.000 € zu spenden, um eine nicht näher definierte Vorbereitung zu finanzieren.

Nicht ganz unerwartet führte dieser Appell nicht zur ersehnten Spende und völlig erwartungsgemäß verkündeten die vier Topspieler ihren Verzicht auf die Schacholympiade. Im heute veröffentlichten Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Online wird Gustafsson dahin gehend zitiert, dass er immer gerne für sein Land gespielt habe, es ginge hier aber um die Förderung der Spitzenspieler ingesamt – kurz gesagt, ums Prinzip.

Der Deutsche Schachbund reagierte auf die Absage der Spieler mit der Nominierung einer Nachwuchsmannschaft plus Rainer Buhmann. Nun sind Presseerklärungen wie die zur Nominierung durchaus immer offene Briefe, doch konnte man nicht widerstehen, in diesem Zusammenhang auch gleich darauf zu verweisen, die Kadermitgliedschaft – und damit die Förderung – der vier Spieler würde zunächst ruhen.

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Marktwertvernichtung

Mittwoch, 07. Juli 2010 von caissa

Wie ChessBase meldet, werden die etatmäßigen deutschen Nationalspieler nicht an der Schacholympiade in Chanty-Mansijsk stattfinden. Ein verzweifelter Aufruf Jan Gustafssons an potentielle Sponsoren scheint gescheitert. Nun scheinen die „Big Four“ (wenn man sie denn angesichts ihres bisherigen Abschneidens so nennen darf) auf die Olympiateilnahme und gleichzeitig auch das künftige Interesse von Sponsoren verzichten zu wollen.

Im Schnitt bot der Deutsche Schachbund den Aktiven wohl nur rund 3.000 € pro Kopf. Dies erschien den Nationalspielern zu wenig, da sie schließlich nicht nur zwei Wochen für das Turnier, sondern auch weitere zwei Wochen für die Vorbereitung einplanen müssten. Da besonders deutsche Schachspieler schon traditionell zu den Besserverdienern der Republik gehören, ist ein Monatsverdienst von 3.000 € natürlich als geradezu grotesk zurückzuweisen.

Natürlich muss sich ein deutscher Schachprofi seine Zeit sehr gut einteilen. Gerade parallel zur Schacholympiade winken den Nationalspielern nicht nur einige hochdotierte Turniere, sondern auch lukrative Sponsorentermine für zahlreiche Weltmarken, die schon seit Jahren darauf warten, ihren neuesten Hackbraten mit Fotos von Jan Gustafsson und Daniel Fridman aufwerten zu dürfen. Nun endlich scheint die rechte Zeit dafür gekommen zu sein.

So mancher beklagte sich jüngst über den Mangel an Turniereinladungen in Deutschland. Wer allerdings lieber mal vier Wochen Urlaub macht anstatt für – zugegeben nicht gerade viel – Geld die Farben des Landes zu vertreten, dass zumindest Sponsoren gegenüber als zur „erweiterten Weltspitze“ gehörend verkauft wird, dürfte sich künftig mit Einladungen schwer tun. Und das ist wohl auch gut so.

Der Schachbund sollte künftig generell auf diese Spieler verzichten, die scheinbar charakterlich und nachgewiesenermaßen sportlich bei Topveranstaltungen durchaus entbehrlich sind. Den vier Herren sei die Österreichische Bundesliga empfohlen. Es heißt, dort könne man für wenig Leistung vergleichsweise viel Geld verdienen. Die Vereine der Deutschen Bundesliga können auf solche Alibideutschen verzichten und besser ein paar ehrgeizige, siegeswillige ausländische Spieler verpflichten.

Iljumschinow offiziell nominiert

Dienstag, 29. Juni 2010 von caissa

Die Fide veröffentlichte heute die offizielle Kandidatenliste für die beim diesjährigen Kongress anstehenden Wahlen. Ebenfalls auf der Liste ist der amtierende Präsident Iljumschinow, dessen Kandidatur sich auf etwas zwielichtige Informationen aus Russland stützt. Dort tobt ein ein Machtkampf im Verband.

Etwas umständlich erklärt die Fide, der russische Verband habe am 28. Juni beschlossen, die im April vom Interimspräsidenten Dworkowitsch im Alleingang vorgenommene Nominierung zu bestätigen. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass die von Alexander Bach am 23. Juni versandte Aussage zur Nominierung nicht korrekt sei. Der russische Verband scheint weiterhin völlig zerrissen und de facto wohl nicht handlungsfähig.

Interessant dürfte sein, ob die RCF de jure handlungsfähig ist, ob also die Nominierung also korrekt ist. Die Fide verweist zwar darauf, dass Iljumschinow auch von Argentinien und Mexiko nominiert worden sei, doch müsste Iljumschinow dort geraume Zeit Verbandsmitglied sein, um nominiert werden zu dürfen. Die Fide hat – was natürlich zu erwarten war – die Nominierung durch den russischen Verband nicht in Frage gestellt, sondern offiziell zur Kenntnis genommen. Juristische Zweifel sind aber sicherlich angebracht und entsprechende Nachspiele sind sicher nicht abwegig.

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Kurs: 100.000 Dollar

Dienstag, 22. Juni 2010 von caissa

Kirsan Iljumschinow geht wohl auf „Nummer sicher“. Wenige Monate vor der Wahl zum Fide-Präsidenten verteilt der Amtsinhaber großzügig Geschenke. Allein in den letzten knapp zwei Wochen versprach Iljumschinow 1,5 Millionen US-Dollar für neu zu schaffende Turniere. Bei der letzten Wahl soll angeblich jede Stimme nur 5.000 Dollar gekostet haben.

Vor kurzem erst hatte der reisefreudige Kalmücke auf den Philippinen vorbei geschaut und auf dieser Tour das Campomanes Memorial aus der Taufe gehoben. Für das Gedächtnisturnier des früheren Fide-Präsidenten, der wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten zum Rückzug gezwungen und später verurteilt wurde, stellte Iljumschinow 1 Million Dollar aus seinem Privatvermögen zur Verfügung. Die Philippinen, Vietnam, Indonesien, Malaysia, Singapur, Myanmar, Thailand, Laos, Kambodscha und Brunei sollen in den nächsten zehn Jahren hiervon jeweils ein Turnier ausrichten.

Während die Empfänger der jeweils 100.000 Dollar in Südostasien klar definiert sind, ist die Verteilung in Lateinamerika noch nicht ganz klar. Hier versprach Iljumschinow bei seinem Besuch des Capablanca Memorial in Havanna auf fünf Jahre verteilte 500.000 Dollar für zwei neue Turniere, die karibische und die lateinamerikanische Meisterschaft.

Da einige der knapp drei Dutzend afrikanischen Verbände für Karpow stimmen wollen, dürfte es wohl kaum verwundern, sollte Iljumschinow demnächst in Botsuana auftauchen, um dem aufstrebenden Schachkontinent mit seinen sieben Großmeistern ein neues Turnier ans Herz zu legen.

Auch im bisher offiziell fast unentschlossenen Arabien rechnet man sicherlich schon mit dem Präsidenten. Bagdad war schließlich sogar schon einmal für ein WM-Match vorgesehen, Doha hatte einst Interesse am Grand Prix bekundet.

Anatoli Karpow, der angeblich noch viel reichter als sein Kontrahent sein soll, bleibt wohl nichts übrig, als auch schnell seine Schatulle zu öffnen, will er bei der Wahl in Chanty-Mansijsk auch nur den Hauch einer Chance haben. Bessel Koks Anhänger ließen sich vor vier Jahren angeblich schon von 5.000 Dollar Barem umstimmen.

Chronik 2.0

Montag, 07. Juni 2010 von caissa

Seit Sonntag ist die Schach-Chronik mit einer neuen Version im Netz. Neben einer Reihe von Änderungen „unter der Haube“, die letztlich zur Beschleunigung und erleichterten Navigation führen sollen, wurden auch wieder einige neue Inhalte integriert.

Die inhaltlichen Änderungen betreffen vor allem Weltmeisterschaften, Olympiaden und die Bundesliga. Völlig neu in der Chronik sind die Ergebnisse und Tabellen der Frauen-Bundesliga. Bei den Männern sind die Resultate der mehrgleisigen Bundesliga hinzugekommen. Auf den WM-Seiten sind nun auch die Ergebnisse der Zonenturniere nachzulesen, bei den Schacholympiaden sind die vollständigen Tabellen eingebunden worden.

Beim Fernschach sind nun die Ergebnisse und Tabellen der Bundesliga, der Weltmeisterschaften und Olympiaden nachzulesen.

Die Seiten und die dahinter steckenden Datenbanken wurden bereits auf weitere Inhalte vorbereitet. So sollen in Zukunft auch die früheren Mannschaftsmeisterschaften der BRD und der DDR berücksichtigt werden.

 

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