Heute vor 100 Jahren begann in Wien das Weltmeisterschafts-Match zwischen Titelverteidiger Emanuel Lasker und seinem österreichischen Herausforderer Carl Schlechter. Erst in der letzten von zehn Partien konnte Lasker seinen einzigen, entscheidenen Sieg zur Titelverteidigung einfahren.
Zehn Jahre lang hatte Emanuel Lasker seinen Titel nicht verteidigt, bevor er zwischen 1907 und 1910 gleich vier Herausforderungen annahm. Als Carl Schlechter und er am 7. Januar 1910 in Wien zur ersten Partie ans Brett gingen, steuerte Europa bereits auf den Weltkrieg zu. 1908 hatte Kaiser Wilhelm mit der Daily-Telegraph-Affäre für Empörung gesorgt, 1909 war Theobald von Bethmann Hollweg zum Reichskanzler ernannt worden, der durch seine Aktionen während der Juli-Krise 1914 wesentlich zum Ausbruch des Weltkrieges beitrug.

Lasker und Schlechter vor der ersten Partie
Das Match zwischen Lasker und Schlechter sollte sich zunächst über 30 Partien erstrecken, wurde dann aber auf zehn Partien gekürzt. Im Falle eines Unentschiedens sollte Lasker den Titel behalten. Von den zehn Partien endeten acht Remis, was niemanden verwunderte, galt doch Carl Schlechter als „Remiskönig“.
In der fünften Partie, der letzten in Wien, war es jedoch der Herausforderer, der den ersten Sieg verbuchen konnte, nachdem Emanuel Lasker patzte. In Berlin, wo die letzten fünf Partien ausgetragen wurden, war Lasker nun also zum Siegen verdammt.
Auch nach neun Partien führte Schlechter und brauchte somit nur noch einen halben Punkt, um Lasker den Weltmeistertitel zu entreissen. Und Schlechter war sogar dem Siege nahe, verpasste aber zunächst den gewinnbringenden Zug, wenig später sogar das sichere Remis. Es kam wie es kommen musste: Lasker gewann die Partie und verteidigte mit dem 5:5 den Titel.
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