Die Chesstigers sind insbesondere für ihre vorbildliche Organisation der jährlichen Chess Classic weltberühmt. Mit vielen Ideen und mutigen Innovationen wird die Schachwelt Jahr für Jahr bereichert. Doch dieses mal hat man zumindest in einem Punkt wohl mal den Mund zu voll genommen.
Kurz vor dem diesjährigen Turnier wurde von Chesstigers und Medienpartner Chessbase eine Medienaktion für private Websites ins Leben gerufen. Private Homepage-Betreiber sollten einen wie immer gearteten Artikel über die Chess Classic schreiben. Als Vorteil für die privaten Homepages wurde genannt, dass
„sich viele Besucher unserer CCM9-Veranstaltung [...] durch die interessanten Berichte wiederfinden würden“.
Dazu wurde auch noch eine Präminierung ausgelobt:
„Jeder eingereichte und verlinkt gelistete Bericht gewinnt einen Preis.“
Der Vorteil für die Chess Classic
„wäre es, dass wir nicht nur unser eigenes Bild, oder das der bekannten professionellen Seiten im Markt der Websites wiedergeben könnten, sondern durch eine Art Netzwerkbildung im Medienbereich genau wie bei den Vielfältigkeit bei Teilnehmern und Zuschauern, dies auch in der Berichterstattung wiederfinden würden.“ (weiterlesen…)
Die SG Zürich feiert in diesem Jahr ihr 200-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass traten an diesem Wochenende fünf klassische Weltmeister, ein Vizeweltmeister und zwei Fide-Weltmeister an jeweils 25 Brettern zum Simultan an. Publikumsmagnet war natürlich Garri Kasparow, der vier Remis zuließ.
Der Fide-Weltmeister von 2002, Ruslan Ponomarjow, war mit 25:0 Punkten der erfolgreichste Spieler. Der Weltmeister von 2000 bis 2007, Wladimir Kramnik, gab nur einen halben Punkt ab. Kasparow und Anand kamen auf je zwei Verlustpunkte. Ohne Niederlage blieb auch Boris Spasski, Weltmeister von 1969 bis 1972. Er gab allerdings mit 5½ die meisten Punkte ab.
Wesselin Topalow verlor gleich zweimal bei drei Unentschieden, Kortschnoi verlor bei ebenfalls drei Remis eine Partie. Anatoli Karpow verlor ebenfalls einmal bei sieben Remis.
Es ist gerade ein Jahr her, da äußerte sich Fide-Präsident Iljumischinow angesichts des georgischen Boykotts der Frauen-WM dahingehend, dass Politik und Schach miteinander nicht vermischt werden sollten. Umso überraschender ist der neueste Artikel bei der Fide. Hier wird von Iljumischonows Arbeitsbesuch in Peking geschrieben, die Windkraftwerke für Kalmückien bauen sollen, dessen Präsident Iljumschinow auch en passant ist.
Natürlich – so eine Doppelbelastung ist nicht leicht. Etwas irritierend bleibt es dennoch, dass die Fide einen solchen politischen Besuch ihres „Häuptlings“ zum Thema macht. Umso mehr gilt das, wenn man bedenkt, dass für die WM 2010 immer noch keine Rede von ernsthaften Bewerbungen ist, geschweige denn vom letzten Grand Prix im Dezember. Für letzteren ist nicht einmal geklärt bzw. veröffentlicht, wer denn eigentlich daran teilnehmen wird. Auch über die Zukunft der Grand-Prix-Serie und des Kandidatenturniers ist nichts zu hören.
Es ist ja beruhigend, dass Kalmückien künftig auf chinesische Windenergie setzt und sich auf eine seiner wenigen Ressourcen besinnt – aber was hat das mit Schach zu tun? Es wäre sehr beruhigend, an der Spitze der Fide einen Mann oder eine Frau zu wissen, die sich mit dem Schach identifiziert und die Mischung von Politik und Schach nicht nach Lust und Laune betreibt.