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Carlsen wird zum Wunder

Montag, 08. September 2008 von caissa

Oft beklagt die Schachwelt ihre mangelnde Medienpräsenz. Nun widmedeten nacheinander der Tagesspiegel und Spiegel Online dem norwegischen „Wunderkind“ Magnus Carlsen Artikel. Der grundsätzlich schöne Erfolg zeigt jedoch, dass die Pressereferenten unseres Sports noch viel Arbeit vor der Brust haben. Der Tagesspiegel berichtet, dass Carlsen in dieser Woche in Bilbao der jüngste Schachweltmeister aller Zeiten werden kann, der Spiegel macht Carlsen schon einmal zum Weltranglistenersten.

Der letzte Woche im Tagesspiegel erschienene Artikel spricht nicht nur für eine gewisse Orientierungslosigkeit der Redaktion, sondern auch für deren Desinteresse. Immerhin weiss der Tagesspiegel-Leser nun, dass aus Kindern, die den ganzen Tag vor dem Computer sitzen, Weltmeister werden können – selbst wenn sie gar nicht bei einer WM spielen.

Der Spiegel – einst für seine erstklassigen Recherchen berühmt, in manchen Kreisen sogar berüchtigt – verkündete heute in seiner Online-Ausgabe, dass Carlsen am Wochenende die Spitze der Weltrangliste erobert habe, und diese Position nur noch bis zum 1. Oktober halten müsse, damit sie von offizieller Seite anerkannt wird.“ Der Hype um tagesaktuelle Wertungszahlen hat nun also auch den Spiegel erfasst. Im Kontrast dazu wurde der amerikanische Präsidentschaftskandidat MacCain noch nicht als Präsident verkündet, der im November nur noch bestätigt werden muss, obwohl dieser in den Meinungsumfragen die Führung übernommen hat.

Zwei WM zum Preis von einer

Samstag, 06. September 2008 von caissa

Heute vor 15 Jahren wurde die Spaltung der Schachwelten manifestiert. Einen Tag vor dem WM-Match zwischen Garri Kasparow und Nigel Short startete in der Niederlande die Weltmeisterschaft der Fide. Das Medieninteresse galt aber eindeutig der damals schon als „wahren Weltmeisterschaft“ empfundenen in London, so dass kaum jemand das Match zwischen Karpow und Timman beachtete, und dass, obwohl es schon bei der Eröffnung eine erste kuriose Panne gegeben hatte: Das Feuerwerk hatte eine Fahne zum brennen gebracht.

Doch wie war es zu dieser Doppel-WM gekommen? Nachdem Nigel Short sich die Kandidatur verdient hatte, gab die Fide Manchester als Austragungsort der WM bekannt. Short und Kasparow waren aber mit dieser Entscheidung nicht einverstanden, da sie zu wenig in den Findungsprozess eingebunden waren und das Ausschreibungsverfahren bemängelten. Vor allem aber waren sie mit dem avisierten Preisgeld nicht einverstanden, von dem zudem ein großer Anteil an die Fide gehen sollte. Schließlich gaben Short und Kasparow bekannt, dass sie ihren Titel nicht unter der Ägide der Fide ausspielen würden.

Woher kommt caissa live?

Freitag, 05. September 2008 von caissa

Im Zusammenhang mit der noch ungelösten Berichterstattung über die Freechess-Liga 08/09 stellte sich mancher Leser die Frage, wie die Tabellen und Ergebnisse eigentlich in caissa „hinein kommen“. Schauen wir doch einmal gemeinsam, was wir unter der Haube von caissa finden. Dann wird vielleicht auch klarer, warum nicht noch eine Saison lang die Ergebnisse manuell gepflegt werden können.

Warum ist es überhaupt scheinbar so einfach, Tabellen und Ergebnisse zu berechnen? Warum passiert das nicht gleich bei Freechess? Dort ist die Datenstruktur historisch bedingt auf einen Einzelspielbetrieb ausgelegt. Dass es einmal zu einem derart umfassenden Ligabetrieb kommen würde, konnte damals niemand ahnen. Da man Datenbanken bei laufendem Betrieb nicht mal eben umstricken kann, müssen die Turnierleiter seit Jahren improvisieren. Die Zuordnung der Einzelpartien zu Mannschaftsspielen findet nur innerhalb einer Excel-Tabelle statt, die von Hand gepflegt werden muss. (weiterlesen…)

 

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