Es ist noch nicht allzu lange her, da verzichtete die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) noch komplett auf Bilder auf ihrer Titelseite. Nun kam ein wenig überraschend Schach zur seltenen Ehre einer Titelbildstory. Dabei ging es nicht einmal um den von den Medien viel beachteten Tod Bobby Fischers, sondern um den 12. Zug Wesselin Topalows gegen Wladimir Kramnik beim Corus Chess Tournament.
Es ist erfreulich, dass es bei der Berichterstattung einer Partie Topalows gegen Kramnik nicht um Waschräume, sondern um einen bemerkenswerten Zug ging, über den sich derzeit die Analysten der Schachwelt ihre Gedanken machen. Ebenso erfreulich ist der erste Ansatz, dass im Jahr der WM und Olympiade in Deutschland offenbar auch die großen Medien ihr Interesse am Schachsport entdecken.
Heute vor 100 Jahren starb in Lublin Michail Tschigorin im Alter von nur 57 Jahren. Tschigorin, der selbst erst als Jugendlicher mit dem Schach begann, gilt als Vorläufer der sowjetischen Schachschule. Durch seine Vorträge und Veröffentlichungen trug er auch viel zur Popularisierung des Schachs in Rußland bei. Zweimal, 1889 und 1892, war er Herausforderer des Weltmeisters William Steinitz, verlor aber beide Matches.
Siegreich war Tschigorin dagegen bei den telegrafischen Partien gegen Steinitz, bei dem die beiden eröffnungstheoretische Gegensätze ausfochten. Im Zuge dieser Partien soll Steinitz wegen der Schachnotationen in den USA der Spionage verdächtigt worden sein.
Aiko Wiederhold ist der Superpatzer 2006/07. Sein Werk „Frontangriff“, bei dem er mit einem immerhin optisch hübschen Zug einen klaren Sieg noch in ein Patt und damit einen halben Punkt umwandelte. Aiko konnte 69% der abgegebenen Stimmen auf sich vereinen und gewinnt damit das von Martin Rieger gestiftete Buch „79 Schachlektionen“.
Doch noch größer mag Aikos Freude darüber sein, dass mit dem Gewinn beim Superpatzer kein späterer Aufenthalt im „RTL-Dschungelcamp“ verbunden ist. Auch sieht es so aus, als wenn der verschenkte halbe Punkt nicht zu einem Mannschaftspunktverlust führen wird.
Auf dem zweiten Platz der Patzerwahl platzierte sich Josef Krammel mit seinem Werk „Vermummung“, das 10% der Stimmen sammeln konnte. Auf Platz 3 landete „Beschleuniger“ von Michael Lütz.
Insgesamt wurden mehr als 60 Stimmen gezählt, von denen 58 gültig waren. Schon jetzt laufen natürlich die Vorbereitungen auf den Superpatzer 2008. Es wäre doch gelacht, wenn in den vielen laufenden Partien nicht schon der eine oder andere Fehlzug auf das Brett gekommen wäre.
Warum sollte man ein Buch kaufen, auf dessen Titel kein Großmeistername prangt? Kann uns dieser Frank Oltmann, der „79 Schachlektionen“ geschrieben hat, wirklich noch etwas beibringen? Um es gleich zu beantworten: Ja, er kann. Das Buch ist gleichermaßen unterhaltsam und lehrreich.
Das Mysterium, warum es ausgerechnet 79 Lektionen sind, die der Autor dem Leser zu vermitteln versucht, bleibt indes ungelöst. Frank Oltmann hat sein Buch – so der Rückentext – „für den fortgeschrittenen Anwender bis hin zum Vereinsspieler“ verfasst. Dabei richtet sich der Autor gleichermaßen an Trainer, denen er gleich noch ein paar Tipps für ein erfolgreiches Training mit auf den Weg gibt wie an Autodidakten.
„79 Schachlektionen“ bricht nur wegen seines Autors und Titels mit mancher Konvention. Wer auf die geradezu klassische Aufteilung in Eröffnung, Mittel- und Endspiel wert legt, wird wenig Freude an diesem Buch haben. Wer dagegen Abwechslung vorzieht und nicht ein Endspielproblem nach dem anderen durchackern will, kommt voll auf seine Kosten. (weiterlesen…)