Fide-Präsident Iljumschinow reklamiert seit heute die absolute Mehrheit der Stimmen beim Kongress in Chanty-Mansijsk für sich. 84 der plötzlich nur noch 167 Verbände hätten sich für seine Wiederwahl ausgesprochen. Allerdings ist die Wahl geheim und noch längst nicht klar, ob alle Delegierten in Chanty-Mansijsk Platz finden werden.
Wohl um ganz sicher zu gehen, war Kirsan Iljumschinow in den letzten Wochen von Land zu Land gereist und hatte die Republick Kalmückien, der er nebenbei auch noch vorsteht, sich selbst überlassen. Ob es dort in der Zwischenzeit zu einem Wirtschaftsaufschwung kam, konnte nicht festgestellt werden.
Juristisch geklärt wird noch die Frage, ob Iljumschinows Nominierung überhaupt rechtskräftig ist. Gegenkandidat Anatoli Karpow bestreitet das und bemühte folgerichtig das Gericht.
Im Zuge das Wahlkampfs erwiesen sich manche Verbände als durchaus heterogen und machten unterschiedliche Aussagen über ihren Favoriten. Russland ist das bekannteste, Zypern das letzte Beispiel hierfür.
Allerdings findet die Wahl ohnehin geheim statt. Die Vergangenheit lehrte auch, dass es durchaus sehr kurzfristige Meinungsumschwünge geben kann. Diesen allerdings dürfte Iljumschinow wohl auf seinen Reisen (finanziell) vorgebeugt haben.
Ob es in Chanty-Mansijsk allerdings überhaupt Kongress und Olympia geben wird, darf noch bezweifelt werden, ist die Infrastruktur doch offenbar noch weitab von den Erfordernissen.
Die Fide veröffentlichte heute die offizielle Kandidatenliste für die beim diesjährigen Kongress anstehenden Wahlen. Ebenfalls auf der Liste ist der amtierende Präsident Iljumschinow, dessen Kandidatur sich auf etwas zwielichtige Informationen aus Russland stützt. Dort tobt ein ein Machtkampf im Verband.
Etwas umständlich erklärt die Fide, der russische Verband habe am 28. Juni beschlossen, die im April vom Interimspräsidenten Dworkowitsch im Alleingang vorgenommene Nominierung zu bestätigen. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass die von Alexander Bach am 23. Juni versandte Aussage zur Nominierung nicht korrekt sei. Der russische Verband scheint weiterhin völlig zerrissen und de facto wohl nicht handlungsfähig.
Interessant dürfte sein, ob die RCF de jure handlungsfähig ist, ob also die Nominierung also korrekt ist. Die Fide verweist zwar darauf, dass Iljumschinow auch von Argentinien und Mexiko nominiert worden sei, doch müsste Iljumschinow dort geraume Zeit Verbandsmitglied sein, um nominiert werden zu dürfen. Die Fide hat – was natürlich zu erwarten war – die Nominierung durch den russischen Verband nicht in Frage gestellt, sondern offiziell zur Kenntnis genommen. Juristische Zweifel sind aber sicherlich angebracht und entsprechende Nachspiele sind sicher nicht abwegig.
Kirsan Iljumschinow geht wohl auf „Nummer sicher“. Wenige Monate vor der Wahl zum Fide-Präsidenten verteilt der Amtsinhaber großzügig Geschenke. Allein in den letzten knapp zwei Wochen versprach Iljumschinow 1,5 Millionen US-Dollar für neu zu schaffende Turniere. Bei der letzten Wahl soll angeblich jede Stimme nur 5.000 Dollar gekostet haben.
Vor kurzem erst hatte der reisefreudige Kalmücke auf den Philippinen vorbei geschaut und auf dieser Tour das Campomanes Memorial aus der Taufe gehoben. Für das Gedächtnisturnier des früheren Fide-Präsidenten, der wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten zum Rückzug gezwungen und später verurteilt wurde, stellte Iljumschinow 1 Million Dollar aus seinem Privatvermögen zur Verfügung. Die Philippinen, Vietnam, Indonesien, Malaysia, Singapur, Myanmar, Thailand, Laos, Kambodscha und Brunei sollen in den nächsten zehn Jahren hiervon jeweils ein Turnier ausrichten.
Während die Empfänger der jeweils 100.000 Dollar in Südostasien klar definiert sind, ist die Verteilung in Lateinamerika noch nicht ganz klar. Hier versprach Iljumschinow bei seinem Besuch des Capablanca Memorial in Havanna auf fünf Jahre verteilte 500.000 Dollar für zwei neue Turniere, die karibische und die lateinamerikanische Meisterschaft.
Da einige der knapp drei Dutzend afrikanischen Verbände für Karpow stimmen wollen, dürfte es wohl kaum verwundern, sollte Iljumschinow demnächst in Botsuana auftauchen, um dem aufstrebenden Schachkontinent mit seinen sieben Großmeistern ein neues Turnier ans Herz zu legen.
Auch im bisher offiziell fast unentschlossenen Arabien rechnet man sicherlich schon mit dem Präsidenten. Bagdad war schließlich sogar schon einmal für ein WM-Match vorgesehen, Doha hatte einst Interesse am Grand Prix bekundet.
Anatoli Karpow, der angeblich noch viel reichter als sein Kontrahent sein soll, bleibt wohl nichts übrig, als auch schnell seine Schatulle zu öffnen, will er bei der Wahl in Chanty-Mansijsk auch nur den Hauch einer Chance haben. Bessel Koks Anhänger ließen sich vor vier Jahren angeblich schon von 5.000 Dollar Barem umstimmen.
Der „Fall Neumünster“ ist nun auch formal abgeschlossen. Bereits vor zwei Wochen hatte Turnierleiter Jürgen Kohlstädt das Resultat der Schiedsgerichtsverhandlung öffentlich verkündet: Es bleibt beim Abstieg Agon Neumünsters. Nun, da die schriftliche Urteilsbegründung vorliegt, mag der Sachverhalt abschließend beurteilt werden. Klar ist, dass wohl niemand mit den Fingern nach Russland zeigen sollte.
Der Kampf um den Klassenerhalt der Oberliga Nord Nord verlief spannend. Vor der letzten Runde am 11. April stand die Kieler SG Meerbauer bereits als Absteiger fest, mindestens eine Mannschaft würde noch hinzu kommen. Darüber hinaus wurde es – wie bei Auf- und Abstieg in Deutschland leider üblich – kompliziert: Aus der 2. Liga Nord konnten ein bis zwei Mannschaften in die Oberliga Nord Nord absteigen. Im Falle eines Abstiegs von Norderstedt und Königsspringer Hamburg war ein weiterer Absteiger aus der Oberliga Nord Nord zu ermitteln. (weiterlesen…)
Auch einen Tag nach der Sitzung des Russischen Verbandes bleibt die Situation unklar. Offensichtlich ist, dass der Verwaltungsrat Anatoli Karpows Kandidatur zum FIDE-Präsidenten unterstützt. Dessen Vorsitzender Arkadi Dworkowitsch bezeichnet die Wahl als ungültig, da er nicht anwesend gewesen sei. Der amtierende Präsident Iljumschinow spricht darüber hinaus von einer drohenden Teilung der Schachwelt.
Russische Medien hatten gestern Abend übereinstimmend berichtet, die Russische Schachföderation (RCF) habe sich in ihrer Sitzung für Anatoli Karpow ausgesprochen. Die Anzahl der Stimmen differierte dabei, Karpow selbst spricht von 17 Stimmen, was in jedem Falle ausreichen würde. Zuvor war noch versucht worden, die Sitzung zu verlegen. (weiterlesen…)
Wem der Fide-Homepage in diesen Tagen mehr als einen kurzen Blick gewidmet hat, mag aufgefallen sein, dass das alte Logo von Global Chess diskret durch ein neues „CNC“-Logo ersetzt wurde. Damit ist auch die letzte Spur des Abenteuers Global Chess beseitigt, und ein neues kann beginnen.
Global Chess war Ende 2006 mit stolzen 4,5 Millionen Euro Startkapital gegründet worden. Präsident des in Amsterdam angesiedelten Unternehmens war Bessel Kok, der just in jenem Jahr bei den Wahlen zum Fide-Präsidenten unterlegen war. Die Anteilseigner des neuen Unternehmens waren Bessel Kok und der unvermeidliche Kirsan Iljumischinow mit seinem füllhorngroßen Geldsäckel.